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Forschungsprojekt ::
Die russische Emigration nach 1917 als Brücke zwischen Ost und West

Projektbeschreibung

Nach der Errichtung des bolschewistischen Regimes im Oktober 1917, vor allem aber nach dem Sieg der Bolschewiki im russischen Bürgerkrieg im Jahre 1920 fand ein Massenexodus der russischen Eliten aus dem Lande statt, den der russische Kulturhistoriker Vladimir Vejdle als eine Art „Vertreibung der Waräger“ aus Russland bezeichnete. Mehr als eine Million Menschen umfasste jetzt die russische Exilgemeinde, die der deutsche Historiker Hans von Rimscha seinerzeit als „Russland jenseits der Grenzen“ charakterisierte. Es fand nun eine einzigartige Begegnung zwischen Ost und West statt, die in gewisser Weise jener ersten Begegnung dieser Art ähnelte, die infolge der Flucht vieler Bewohner des Byzantinischen Reiches in den Westen nach dem Fall von Konstantinopel im Jahre 1453 zustande kam. Bereits die damaligen Ereignisse zeigten, welch fruchtbare Auswirkungen die Begegnung zwischen dem östlichen und dem westlichen Christentum haben kann. Byzantinische Flüchtlinge halfen nämlich den westlichen, vor allem den italienischen Gelehrten, die griechische Antike neu zu entdecken. Um so fruchtbarer war die Begegnung zwischen den russischen Emigranten und den kulturellen Eliten in den jeweiligen westlichen Gastländern nach 1917, denn zahlenmäßig überstieg die russische Exilgemeinde die byzantinische des 15. Jahrhunderts um das Vielfache. Nur im russischen Exil konnte jetzt der im18. Jahrhundert, infolge der petrinischen Reformen begonnene Dialog zwischen Ost und West fortgesetzt werden. Das sowjetische Russland war von diesem Dialog abgeschnitten, weil die Bolschewiki das „Fenster nach Europa“, das Peter der Große zu Beginn des 18. Jahrhunderts geöffnet hatte, wieder geschlossen haben. Von der Forschung wurden die kulturellen, geistigen, religiösen und politischen Folgen der Begegnung zwischen dem russischen Exil und den kulturellen Eliten der jeweiligen Gastländer eher vernachlässigt. Das geplante Projekt wird versuchen, diese Lücke zu schließen. Es wird auf die Beobachtungen der russischen Emigranten zu verschiedenen politisch-ideologischen, religiösen und kulturellen Vorgängen in den jeweiligen Gastländern eingehen. Diese Beobachtungen tragen nicht unerheblich zum besseren Verständnis der westlichen Gesellschaften in der Zwischenkriegszeit, während des Zweiten Weltkrieges und in der Nachkriegszeit bei. Der geistige Austausch zwischen den Exilrussen und den westlichen Intellektuellen soll vor allem am Beispiel solcher Zentren der Emigration untersucht werden wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Tschechoslowakei. Das Projekt wird auch auf die Frage eingehen, welche westlichen Denkschulen von den russischen Emigranten besonders stark beeinflusst wurden und warum. Schließlich wird es sich mit dem Beitrag der russisch-orthodoxen Philosophen bzw. Theologen zum Erneuerungswerk des Zweiten Vatikanischen Konzils befassen.

Angaben zum Forschungsprojekt

Beginn des Projekts:2009
Projektstatus:laufend
Projektleitung:Luks, Prof. Dr. Leonid
Lehrstuhl/Institution:
Finanzierung des Projekts:Aus Lehrstuhletat (intern)
Schlagwörter:Ideengeschichte
Themengebiete:M Politik; Soziologie > MC Geschichte der politischen Philosophie und der Ideologien
N Geschichte > NQ Geschichte seit 1918
Projekttyp:Grundlagenforschung
Projekt-ID:817
Eingestellt am: 11. Feb 2010 14:58
Letzte Änderung: 07. Feb 2012 11:33
URL zu dieser Anzeige: http://fordoc.ku-eichstaett.de/817/