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Forschungsprojekt ::
"Fortschrittlich, zivilisiert, weiß": Ausstellungskultur, nationales Selbstbild und Rassediskurs in Brasilien, 1861–1929

Projektbeschreibung

Im Zentrum dieses Projekts steht das von den brasilianischen Eliten im Zeitraum von 1861 bis 1929 im Ausstellungswesen konstruierte nationale Selbstbild.
Der Fokus liegt zum einen auf den offiziellen nationalen Großausstellungen ("Exposições Nacionais"), die ab 1861 regelmäßig durchgeführt wurden und im Jahre 1922 anlässlich der 100-Jahrfeier der Unabhängigkeit in der so genannten "Exposição do Centenário" kulminierten. Des Weiteren konzentriert sich diese Arbeit auf die brasilianische Beteiligung an den Weltausstellungen zwischen 1862 (London) und 1929 (Sevilla), zu deren Vorbereitung die nationalen Ausstellungen ursprünglich gedacht waren.
Da diese Ausstellungs-Events vor dem Zeitalter der Massenmedien, das in Brasilien mit der Machtübernahme des Nationalpopulisten Getúlio Vargas im Jahre 1930 beginnt, im Hinblick auf ihre Breitenwirkung nahezu konkurrenzlos waren, soll vor allem deren Beitrag zur Nationbildung untersucht werden. Im Zentrum der Analyse stehen dabei Diskurse über "Rasse", "Fortschritt" und "Zivilisation", die von den Ausstellungsmachern als tragende Elemente der zu schaffenden Nation angesehen wurden. Die Regeln, denen diese Diskurse gehorchten, sollen mit den Mitteln der Diskursanalyse sichtbar gemacht werden, ebenso wie Brüche, Kontinuitäten und möglicher Widerstand. Neben der Auswertung konventioneller Quellen in Schriftform stützt sich diese Arbeit vor allem auf Bildquellen (Kunstwerke und Fotografie), die meist integraler Bestandteil der Ausstellungen waren.
Im Gegensatz zu bisherigen Studien werden Bilder hier jedoch in historische Diskurse eingebettet und in einem sozialen Kommunikationszusammenhang interpretiert. Solche "Bilder der Macht" konnten in spezifischen historischen Konstellationen durchaus soziopolitische Funktionen erfüllen (z. B. im Hinblick auf die angestrebte "Aufweißung" der Bevölkerung durch Einwanderung oder die soziale Exklusion der Afro-Brasilianer). Auch die Rezeption der Ausstellungen, welche wiederum Teil eines sich im 19. Jahrhundert allmählich ausbildenden "Exhibitionary Complex" (Tony Bennett) waren, ist bislang kaum erforscht.

Angaben zum Forschungsprojekt

Beginn des Projekts:2009
Ende des Projekts:2016
Projektstatus:abgeschlossen
Projektleitung:Schuster, Dr. Sven
Beteiligte Personen:Fischer, Prof. Dr. Thomas
Treiber, Prof. Dr. Angela
Potthast, Prof. Dr. Barbara
Lehrstuhl/Institution:
Finanzierung des Projekts:Begutachtete Drittmittel
Geldgeber:
  • Fritz-Thyssen-Stiftung (Reisebeihilfen, März/April u. September/Oktober 2009)
  • Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ("Eigene Stelle", ab 1. Oktober 2011)
Projektpartner:Universidade Estadual Paulista (UNESP), Pontifícia Universidade Católica do Rio de Janeiro (PUC-Rio)
Projekttyp:Habilitationsprojekt
Projekt-ID:324
Eingestellt am: 30. Dez 2009 16:00
Letzte Änderung: 01. Aug 2018 08:12
URL zu dieser Anzeige: http://fordoc.ku-eichstaett.de/324/