Titlebar
Einträge suchen
Einträge auflisten
 

Forschungsprojekt ::
Rezeptionsorientierte Edition der Kirchenjahrespredigten Johannes Taulers

Projektbeschreibung

Das Gemeinschaftsprojekt der KUEI, der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel wird gefördert durch die DFG (WE 4364/6-1; LE 1173/8-1; STA 1032/5-1)

Die im Rahmen des Projekts 'Predigt im Kontext' betrachteten Handschriftenbestände beinhalten auch die Gesamtüberlieferung der Predigten Johannes Taulers. Diese müssen zur Zeit noch immer nach der alten Ausgabe von Ferdinand Vetter (Die Predigten Taulers, aus der Engelberger und der Freiburger Handschrift sowie aus Schmidts Abschriften der ehemaligen Straßburger Handschriften, Berlin 1910 [DTM 11]) zitiert werden. Mittelfristig soll diese längst obsolete Edition durch eine neu konzipierte, aus der Analyse der unter PiK beschriebenen Überlieferungszeugen hervorgehende rezeptionsorientierte Ausgabe ersetzt werden. Diese Edition wird in Kooperation mit Prof. Dr. Volker Leppin (Eberhard Karls Universität Tübingen) und der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel (Torsten Schaßan) erstellt.

Ziele

Vorrangiges Ziel des Projekts ist es, zu einem Neuverständnis der Wirkungsgeschichte der Predigten Johannes Taulers beizutragen, deren Bedeutung für die Theologie des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit noch immer weit unterschätzt wird.
Hierzu wird eine umfassend kommentierte rezeptionsorientierte Edition der im ersten Teil des Basler Taulerdrucks (1521/22) überlieferten Kirchenjahrespredigten erarbeitet. Eine Edition dieser Predigten ist wegen ihrer herausragenden rezeptionsgeschichtlichen Bedeutung ein besonders dringliches Forschungsdesiderat, da sie anders als die Heiligenpredigten Taulers von beiden großen Konfessionen der Neuzeit intensiv rezipiert wurden. Somit wird ein Quellenbestand erschlossen, der für die Erforschung der Predigten Taulers und ihrer Rezeption zentrale Bedeutung besitzt und die Grundlage bereitstellt für künftige germanistische, historische, theologische und philosophische Untersuchungen sowie für die Arbeit angrenzender Disziplinen.
Eine neue, wissenschaftlich breit nutzbare Edition der Kirchenjahrespredigten Taulers liegt im Interesse nicht nur der mediävistischen, sondern auch der frühneuzeitlichen Forschung. Mithin gilt das wissenschaftliche Interesse sowohl dem Tauler der Handschriftenüberlieferung als auch dem Tauler der frühen gedruckten Ausgaben. Angesichts der großen Varianz zwischen der Textform der frühen Handschriften und derjenigen Textform, die in den Druck eingegangenen ist, soll einerseits der Text der frühen Handschriften und andererseits der Text der frühen Drucküberlieferung dargestellt werden. Vor dem Hintergrund der Notwendigkeit materialer Begrenzung konzentriert sich die geplante Edition auf die Handschriften des 14. Jahrhunderts sowie die drei frühesten Taulerdrucke (Leipzig 1498, Augsburg 1508, Basel 1521/22).

Vorgehen

Für die Predigtabfolge der digitalen wie der Printedition, orientiert sich das Projekt an der liturgischen Ordnung des Kirchenjahres, wie sie im Basler Druck vorliegt. Bei der Präsentation des Textes der Predigten verzichtet das Editionsprojekt auf den Versuch, einen „Autor-Text“ zu rekonstruieren, sondern orientiert sich konsequent jeweils an der Textform, die in den genannten Rezeptionsstufen vorliegt. Um dem „unfesten, beweglichen“ Charakter mittelalterlicher volkssprachlicher Texte gerecht zu werden und die Variationen in der Textüberlieferung sichtbar zu machen, soll der Text der Predigten so weit als möglich synoptisch dargestellt werden. Dazu tritt neben den wirkungsmächtigen Drucktext ein Handschriftentext, der eine möglichst frühe Sammlungsform repräsentiert. Für den frühen Handschriftentext wird aufgrund der Überlieferungssituation von verschiedenen Handschriften auszugehen sein, weswegen auch schreibsprachliche Uneinheitlichkeit in Kauf genommen werden müssen.

Die zunächst erarbeitete digitale Edition nimmt den Paradigmenwechsel auf, der zur Zeit bei zahlreichen historischen und geisteswissenschaftlichen Quelleneditionsprojekten zu verzeichnen ist: Generische Perspektiven (z. B. Auszeichnungssprache, Schnittstellen, Verwendung von Normdaten) gewinnen bei der elektronischen Erfassung von Forschungsprimärquellen an Bedeutung. Eine digitale Quellenedition mit historisch-kritischer Einleitung sowie textkritischen und sachlichen Apparaten und Indizes bildet die gemeinsame technische Grundlage sowohl für die netzbasierte als auch nachfolgend für die gedruckte Veröffentlichungsform. So können vorläufige oder Zwischenergebnisse bereits im Editionsprozess online veröffentlicht werden. Auf diese Weise hat die Fachöffentlichkeit die Möglichkeit, durch Kritik und Anregungen das Editionsvorhaben zu begleiten bzw. an ihm zu partizipieren. Vor allem können Teilergebnisse wesentlich schneller von Dritten für eigene wissenschaftliche Untersuchungen genutzt werden.

Ergänzende Kommentarbände bieten eine einerseits eine Gesamteinleitung, die sowohl die Editionsprinzipien darlegt und die Textzeugen eingehend beschreibt als auch historisch-kritische Einleitungen zu den jeweiligen Predigten bietet. Hier finden sich Angaben zu Überlieferung und Autordiskussion sowie die Diskussion der Datierung, bei der die Situierung im Kirchenjahr ebenso berücksichtigt wird wie – soweit möglich – bennenbare Phasen in der Biographie Taulers. Andererseits finden sich in den Kommentarbänden Übersetzungen der Predigten des Basler Taulerdrucks sowie ein zeilenbezogener fortlaufender Kommentar. Dieser erläutert die Marginalnotizen, enthält Erklärungen zu Wörtern, Personen, Orten und Sachen und gibt Bibel-, Autoritäten- und weitere Quellennachweise. Darüber hinaus zeigt er die Varianzen der unterschiedlichen Textfassungen auf und ordnet die theologischen Inhalte der einzelnen Predigten in das Oeuvre Taulers und die Frömmigkeitsliteratur des frühen 14. Jahrhunderts ein.

Die digitale Edition wird von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel im Open Access sukzessive online publiziert.

Angaben zum Forschungsprojekt

Beginn des Projekts:01. Februar 2018
Ende des Projekts:31. Januar 2021
Projektstatus:laufend
Projektleitung:Weigand, Prof. Dr. Rudolf Kilian
Beteiligte Personen:Schiewer, Dr. Regina D.
Zecherle, Andreas
Baumgarten, Marcus
Lehrstuhl/Institution:
Finanzierung des Projekts:Begutachtete Drittmittel
Geldgeber:Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Projektpartner:
  • Prof. Dr. Volker Leppin, Eberhard-Karls-Universität, Tübingen
  • Torsten Schaßan, Herzog-August-Bibliothek, Wolfenbüttel
  • Prof. Dr. Manfred Gerwing, Theologische Fakultät KU
Themengebiete:B Theologie und Religionswissenschaften, Religionspädagogik > BM Theologie des geistlichen Lebens (Aszese und Mystik)
G Germanistik; Niederlandistik; Skandinavistik > GE Deutsche Literatur > Spätmittelalter
Projekttyp:Grundlagenforschung
Projekt-ID:2423
Eingestellt am: 05. Feb 2018 17:41
Letzte Änderung: 15. Feb 2018 14:03
URL zu dieser Anzeige: http://fordoc.ku-eichstaett.de/2423/