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Forschungsprojekt ::
Memory Matters!? (Kollektives) Erinnern und Außenpolitik

Projektbeschreibung

Für Kriege, Revolutionen und Diktaturen im 20. Jahrhundert, dem „Zeitalter der Extreme“ (Eric Hobsbawm), gibt es viele Beispiele. Entsprechend zahlreich sind mittlerweile geschichtswissenschaftliche Publikationen, die sich nicht allein mit der Ereignisgeschichte dieser historischen Zäsuren beschäftigen, sondern sich darauf konzentrieren, wie historische AkteurInnen im Nachhinein mit diesen Ereignissen umgingen. In diesen Arbeiten geht es demnach zentral um Fragen der Wahrnehmung und der Sinngebung – um Fragen also, mit denen sich innerhalb der Geschichtswissenschaft vor allem HistorikerInnen beschäftigen, die sich Vergangenheit aus der Perspektive der (Neuen) Kulturgeschichte nähern. Ihre Forschungen verdeutlichen, dass Bedeutungszuschreibungen historisch wirksam werden können, da AkteurInnen sich auf ihrer Grundlage verhalten, Entscheidungen treffen bzw. handeln. Erinnerungskulturgeschichtliche Forschungen interessiert in diesem Zusammenhang speziell, wie auf Basis welcher jeweils gegenwärtigen Interessenslagen unterschiedliche Kollektive (Familien, Berufsgruppen, Generationen, Nationen, internationale Organisationen…) Bezug nehmen auf Vergangenheit.

In den Internationalen Beziehungen hat der kultur- und geschichtswissenschaftliche „memory boom“ bislang kaum Fuß gefasst. Dennoch stellt seit den „constructivist“ und „cultural turns“ in der Disziplin die dynamische, historisch kontingente (Fort-) Entwicklung immaterieller Strukturen – wie etwa politische Institutionen und Normen, (nationale) Rollenbilder und Identitäten – einen zentralen Analysegegenstand dar. Insbesondere aus Sicht reflektivistischer Ansätze (Konstruktivismus, Feminismus, Poststrukturalismus, postkoloniale und kritische Theorien) werden diese Strukturen als Rahmen der Wahrnehmungen und, darauf basierend, der Entscheidungen von Individual- bzw. KollektivakteurInnen verstanden und untersucht.

Auf diesen Grundlagen nimmt das Projekt die Wechselwirkungen zwischen Prozessen kollektiven Erinnerns und außenpolitischem Entscheidungshandeln von Individual- sowie KollektivakteurInnen in den Blick: Welchen Einfluss übt(e) die Eigendynamik eines kollektiven Erinnerungsprozesses auf deren außenpolitisches Entscheidungshandeln aus? Welchen Beitrag leiste(te)n umgekehrt einzelne oder kollektive außenpolitische AkteurInnen zu Prozessen kollektiven Erinnerns? Diese übergeordneten Fragen versprechen zum einen neue Einblicke in den Konstruktcharakter von Außenpolitik, die demnach zu historisieren ist, und zum anderen weiterführende Erkenntnisse über die Art und Weise, wie historische Strukturen (re-) produziert und verbreitet, aber auch verändert werden.

Ausgewählte Fallbeispiele mit Bezug zu historischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts werden die Prämissen, theoretischen Überlegungen und begrifflichen Konzepte hinterfragen, der Thesenentwicklung dienen sowie Vergleichsperspektiven eröffnen. Wichtige Komponenten dieses interdisziplinären Forschungsprojektes sind seine Einbindung in die Lehre sowie die geplante Veranstaltung einer einschlägigen wissenschaftlichen Tagung zur Diskussion und Erweiterung der genannten Perspektiven.

Publikationen:
- Kießling, Friedrich; Ludwig, Andreas N.; Rothauge, Caroline: Einleitung. In: Friedrich Kießling, Caroline Rothauge (Hrsg.): Außenbeziehungen und Erinnern. Prozesse, Konflikte, Reflexionen. München: de Gruyter Oldenbourg [in Vorbereitung].
- Kießling, Friedrich; Rothauge, Caroline (Hrsg.): Außenbeziehungen und Erinnern. Prozesse, Konflikte, Reflexionen. München: de Gruyter Oldenbourg [in Vorbereitung].
- Ludwig, Andreas N.; Rothauge, Caroline: Memory Matters! Zur Bedeutung des Erinnerns und kollektiver Identitätskonstruktionen in grenzüberschreitenden Beziehungen. In: Klaus Brummer; Friedrich Kießling (Hrsg.): Zivilmacht Bundesrepublik? Bundesdeutsche außenpolitische Rollen aus politik- und geschichtswissenschaftlichen Perspektiven. Baden-Baden: Nomos 2019, S. 235 – 252.

Konferenzorganisation und -leitung:
- Außenbeziehungen und Erinnerung, in Zusammenarbeit mit der AG Internationale Geschichte im Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD), KU Eichstätt-Ingolstadt, 16./17.05.2019.

Vorträge:
- Memory Matters! Erinnern und dynamische Rollenbilder im Kontext bi- bzw. plurilateraler Beziehungen, Vortrag auf der Tagung Von der Zivilmacht zum europäischen Hegemon? Bundesdeutsche außenpolitische Rollen aus geschichts- und politikwissenschaftlichen Perspektiven, KU Eichstätt-Ingolstadt, 05.05.2018.
- How to Act Responsibly? Remembering Germany's Past and its Impact on Foreign Affairs, Präsentation eines Papers im Rahmen der 41st Annual Conference der German Studies Association (GSA), Atlanta, GA, 06.10.2017.

Angaben zum Forschungsprojekt

Beginn des Projekts:Oktober 2016
Projektstatus:laufend
Projektleitung:Ludwig, Andreas N.
Rothauge, Dr. Caroline
Lehrstuhl/Institution:
Finanzierung des Projekts:Aus Lehrstuhletat (intern)
Themengebiete:M Politik; Soziologie > MK Internationale Politik
M Politik; Soziologie > ML Die Außenpolitik einzelner Länder
N Geschichte > NB Geschichte - Allgemeines, Wissenschaft, Unterrichtsfach
N Geschichte > NQ Geschichte seit 1918
Projekttyp:Grundlagenforschung
Projekt-ID:2276

Publikationen

Liste der Veröffentlichungen auf dem Publikationserver KU.edoc der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt
Eingestellt am: 16. Dez 2016 10:25
Letzte Änderung: 01. Mai 2020 16:31
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