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Forschungsprojekt ::
Berufsmobilität versus Familie? Handlungsfelder für Paare, Familien und Unternehmen zur erfolgreichen Bewältigung von Mobilitätsanforderungen

Projektbeschreibung

Stabilisierung der Work-Life-Balance als Erfolgsfaktor für Paare, Familien und Unternehmen.
Mobilität im Beruf ist eine wesentliche Voraussetzung im Arbeitsumfeld vieler Unternehmen. Dazu zählen Dienstreisen im In- und Ausland mit unterschiedlicher Aufenthaltsdauer, längere Entsendungen ins Ausland als Expatriate oder auch zeitlich begrenzte Standortwechsel, die häufig zu Wochenendbeziehungen und -ehen führen. Die Verweildauer an verschiedenen Orten, getrennt von Familie und Partner/in, stellt häufig eine außerordentliche Belastung für Familien und Paare dar. Der Mitarbeiter sieht sich ambivalenten Anforderungen gegenüber gestellt, da er immer wieder versuchen muss, den Aufgaben seiner unterschiedlichen Rollen als Arbeitnehmer und Familienmitglied gerecht zu werden und seinen Einsatz für beides gegeneinander aufzuwiegen.
Hier setzt die laufende Untersuchung am Zentralinstitut für Ehe und Familie in der Gesellschaft an. Unter Zuhilfenahme einer schriftlichen als auch mündlichen Befragungen von insgesamt ca. 500 Betroffenen werden Themenfelder evaluiert, die ein Konfliktpotenzial hinsichtlich einer guten Vereinbarkeit von Partnerschaft, Familie und Beruf, beinhalten können. Darauf aufbauend wird ein Konzept sowohl für die Paare und Familien als auch Unternehmen erstellt, mit dem Ziel richtungweisende Maßnahmen aufzuzeigen, wie negativen Begleiterscheinungen von Mobilität erfolgreich entgegengetreten werden kann.

Ziele:
Die bereits in der Kooperation mit der Deutschen Bundeswehr und der Militärseelsorge entwickelten, wissenschaftlichen und praktischen Initiativen für das Gelingen von Distanzbeziehungen in den Zeiträumen vor, während und nach vorübergehenden Trennungen sollen nun auf die Bedürfnisse der freien Wirtschaft erweitert werden. Mit dem Fokus auf Arbeitnehmer und ihre Partner/Familien sollen familiäre Ressourcen gestärkt und aufgebaut werden, Entlastungen in unterschiedlichen Lebensbereichen geschaffen werden sowie die soziale Integration in ein Netzwerk und individuelle Kompetenzen gestärkt werden. Der Gewinn auf Unternehmensseite zeigt sich in gestiegener Arbeitgeberattraktivität, höherer Leistungsmotivation der Mitarbeiter, die sich sowohl im Unternehmenserfolg als auch einer intensiven Unternehmensbindung widerspiegeln.

Theoretischer Rahmenbezug:
Die Mensch-Umwelt-Beziehung im Arbeitskontext nimmt einen erheblichen Stellenwert ein.(1) Die Schnittstelle zwischen Arbeit und Familie ist groß und beeinflusst das Leistungsverhalten der Arbeitnehmer. Ein geeigneter Ansatz zur Beschreibung der Sachverhalte ist das so genannte Spillover-Modell. Dabei wird davon ausgegangen, dass eine Sache oder ein Ereignis eine Ausstrahlung auf andere, unbeabsichtigte Bereiche hat. Ein Beispiel dafür ist die gegenseitige Beeinflussung von Berufs- und Familienleben. Stress im Beruf, Überforderung oder Unzufriedenheit können sich negativ auf das Familienleben oder die Partnerschaft auswirken. Ebenso können sich Zufriedenheit und ein Sicherheitsgefühl im Rahmen familiärer Bindungen als positive Anstöße für berufliches Engagement erweisen. Eine geeignete Kombination von Beruf und Familie kann sowohl Wohlbefinden als auch die persönliche Entwicklung stärken, Voraussetzung hierfür ist eine gesundheitsgerechte Arbeits- und Familienwelt.(2) Eine Wechselwirkung von psychosozialer Gesundheit und Arbeit wirkt sich wiederum positiv auf die Arbeitsleistung und somit auf den Unternehmenserfolg aus. So gelingt es auch, qualifizierte Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden.(3) Demgegenüber stehen immer häufiger flexible Partnerschaften, die in der modernen Welt eine Anpassung an die veränderten Bedingungen von Unsicherheiten geformt haben, aber das Eingehen langfristiger bindender Versprechen verhindern und sich somit nicht als Rückenstärkung und Ressource auch für die Arbeitsleistung erweisen, sondern vielmehr als Bremse, die sich negativ auf den einzelnen Arbeitnehmer in seinem Arbeitsverhalten auswirkt.(4) Ein zentrales Element der theoretischen Überlegungen stellt der Stress dar, den es sowohl innerhalb der Familie, des Individuums und eines Paares gibt und dessen Wechselwirkungen einen entscheidenden Einfluss auf den Umgang mit Mobilitätsbelastungen nehmen. Dazu gehören die verschiedenen Arten von Stressempfinden sowie Strategien im Umgang mit Stress. Bei den Überlegungen hierzu wird auf das Stresskonzept von Lazarus zurückgegriffen, der von einem Ungleichgewicht zwischen inneren und äußeren Anforderungen an eine Person und ihre Möglichkeiten zu reagieren spricht. Aufbauend auf diesem Konzept beschreibt Bodenmanns dyadisches Coping, dass Stress in der Interaktion der Partner auf unterschiedliche Art und Weise kommuniziert und wahrgenommen wird. Ein weiterer Fokus seines Stressverständnisses liegt auf dem sozialen Kontext der Paare. Hier stellen sich u.a. Fragen nach dem Vorhandensein und dem Erscheinungsbild sozialer Netzwerke sowie der wahrgenommenen bzw. der erwünschten Unterstützung.

Methode:
Bei der Bearbeitung des Projekts wird zwischen verschiedenen Zielgruppen unterschieden, die sich wie folgt aufteilen: Expatriates, Wochenendpendler, Arbeitnehmer mit unterschiedlichem Mobilitätsprofil sowie deren Partner und Familien. Zum jetzigen Zeitpunkt wird ein Fragebogen konzipiert, der sich detailliert mit der aufgezeigten Problematik auseinandersetzt. Er umfasst ca. elf Seiten und besteht aus einer Kombination von geschlossenen, halb-offenen und offenen Fragen. Den ersten Teil des Fragebogens bilden Fragen zur allgemeinen beruflichen und privaten Situation vor dem Hintergrund berufsbedingter Mobilität. Dem folgt ein Itemblock zum Umgang der Paare mit der Trennungssituation. Diese knüpfen inhaltlich an die bereits gewonnenen Erfahrungen mit Soldatenpaaren und -familien an, so sind hier insbesondere das Wiedersehen und der Abschied wichtige Eckpfeiler und Überschneidungspunkte der Befragung. Die anschließenden Fragen zielen auf das subjektive Trennungserleben der einzelnen Partner und ihre Bewältigungsstrategien, gleichzeitig Handlungskompetenzen im Umgang damit ab. Da Stresserleben und soziale Unterstützung als elementar für eine erfolgreiche Bewältigung angesehen werden, wurden ergänzend Subskalen aus dem Dyadischen Coping Inventar von Bodenmann übernommen. Hier lassen sich möglicherweise erste Ansatzpunkte für präventive Maßnahmen finden, insbesondere unter dem Aspekt einer Erweiterung institutioneller Unterstützung von Paaren und Familien vor dem Hintergrund berufsbedingter Mobilität. Essentiell sind zudem das individuelle Erleben von sozial unterstützendem Verhalten sowie die daraufhin erwartete Verfügbarkeit von sozialer Unterstützung. Aus diesem Grund hat es sich angeboten Subskalen aus dem Fragebogen zur sozialen Unterstützung zu übernehmen und durch offene Fragen zu erweitern. Die Übernahme der Subskalen der beiden genannten Fragebogen lässt Rückschlüsse darauf zu, ob Paare mit Mobilitätsanforderungen und die Vergleichsstichprobe sich in ihrem Umgang mit Stress und der Einschätzung sozialer Unterstützung unterscheiden und ob sich daraus folgernd Potenzialbereiche ableiten lassen. In einer weiteren Themeneinheit sollen unternehmensspezifische Handlungsfelder erfragt werden.
Die schriftliche Befragung wird durch Leitfadeninterviews betroffener Paare und Vertreter der Unternehmen ergänzt, um die Informationen noch detaillierter zu erfassen und zu verfeinern. Aus den gewonnen Ergebnissen sollen erste Handlungsfelder identifiziert und gemeinsam mit Maßnahmen belegt werden. Idealerweise lassen sich Pilotprojekte aufsetzen, die im Anschluss auf ihre Güte hin überprüft werden, insbesondere ob sie dem zuvor definierten Ziel gerecht werden. Erneut soll hier die Methode der Befragung zum Einsatz kommen, um die Tauglichkeit der Angebote evaluieren zu können. Ein letzter Projektpunkt soll die Begleitung von Familien bzw. Paaren, die von Mobilität betroffen sind, über einen längeren Zeitraum darstellen. Über eine regelmäßige Befragung und Begleitung soll sich dabei zeigen, ob und wie die Anforderungen, Wünsche, Sorgen und Nöte im Zeitverlauf einer Veränderung unterliegen. Aus den gewonnenen Erkenntnissen wird abschließend ein umfassender Best-Practise-Leitfaden erstellt. Dieser soll die Ergebnisse ausführlich dokumentieren, Lösungsansätze für Paare, Familien und Unternehmen aufzeigen und als Anleitung für die regelmäßige Einrichtung sinnvoller und Nutzen bringender Angebote dienen.

(1) Vgl. Sonntag, K. (2006). Personalentwicklung in Organisationen. Hogrefe: Göttingen.
(2) Vgl. Resch (2006) [www–Dokument, entnommen im Juli 2008 URL
www.dnbgf.de/fileadmin/texte/Downloads/uploads/dokumente/2006/News2006_1_DNBGF _OED.pdf].
(3) Vgl. Goedecke, A., Brose, H.G. (2008). The Proof of the Pudding is in the Eating: Was heißt Familienfreundlichkeit? In: Szydlik, M. (Hrsg.): Flexibilisierung. Folgen für Arbeit und Familie. Verlag für Sozialwissenschaften: Wiesbaden.
(4) Vgl. Blössfeld, H.-P., Hofäcker, D., Hofmeister, H. & Kurz, K. (2008). Globalisierung, Flexibilisierung und der Wandel von Lebensläufen in modernen Gesellschaften. In: Szydlik, M. (Hrsg.): Flexibilisierung. Folgen für Arbeit und Familie. Verlag für Sozialwissenschaften: Wiesbaden.

Angaben zum Forschungsprojekt

Beginn des Projekts:2009
Ende des Projekts:2012
Projektstatus:abgeschlossen
Projektleitung:Wendl, Dr. Peter
Beteiligte Personen:Ressel, Alexandra
Lehrstuhl/Institution:
Finanzierung des Projekts:Nicht begutachtete Drittmittel
Geldgeber:Katholisches Militärbischofsamt
Themengebiete:D Pädagogik, Sozialarbeit
Projekttyp:Promotionsprojekt
Webseite:http://www.zfg-kuei.de
Projekt-ID:1074
Eingestellt am: 11. Aug 2010 07:25
Letzte Änderung: 17. Jan 2019 03:20
URL zu dieser Anzeige: http://fordoc.ku-eichstaett.de/1074/